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Portion Senf dazu?

Die Bücherei St. Lamberti bloggt

Stadt-Land-Spielt – auch in Ochtrup

Es ist schon gute Tradition, dass die Bücherei St. Lamberti ihre für den Herbst neu angeschafften Brett- und Gesellschaftsspiele am zweiten Samstag im September präsentiert, wenn sie sich gemeinsam mit dem Ochtruper Spieletreffen an der Aktion „Stadt – Land – Spielt“ beteiligt. 55 Neuerscheinungen des deutschen Spielemarktes vervollständigen in Kürze den Bücherei-Bestand von fast 900 Brettspielen. Sie werden zur Zeit ins Datei-System eingepflegt, um in Kürze zur Ausleihe zur Verfügung zu stehen. Darunter natürlich auch das Spiel des Jahres, „Azul“ und „Funkelschatz“, das Kinderspiel des Jahres 2018. Bei den übrigen Neuheiten handelt es sich um Spiele für alle Altersklassen, also vom Kindergarten an bis zu Erwachsenen. Ob Fantasy, Wettbewerb, Strategie oder Konstruktion, für jeden Interessenkreis ist etwas dabei. Neue Spiele 2018

Diese Neuanschaffungen stehen im Rahmen von „Stadt – Land – Spielt“ zusammen mit den übrigen über 800 Spielen der Bücherei natürlich nicht nur zum Angucken, sondern vor allem zum Spielen bereit. Die Aktion, an der sich das Ochtruper Spieletreffen und die Bücherei seit einigen Jahren gemeinsam beteiligen, hat das Ziel, Brett- und Gesellschaftsspiele als Kulturgut öffentlich in den Blickpunkt zu stellen und weiteres Interesse für diese Freizeitbeschäftigung zu gewinnen. Die jährlich steigende Zahl der angemeldeten Spielorte in Deutschland und Österreich sprechen für sich. In diesem Jahr werden Veranstaltungen an 143 Spielorten angeboten. Dort treffen sich Familien, Gruppen und Einzelpersonen um gemeinsam miteinander zu spielen und neue Gesellschaftsspiele kennenzulernen.

In Ochtrup findet „Stadt – Land – Spielt“ am Samstag, 8. September, in der Zeit von 14 bis 22 Uhr im Forum der Bücherei St. Lamberti statt. Während dieser Zeit können Besucher/innen ständig dazu kommen. Nicht nur um bewährte Spiele zu spielen, neue Spiele kennenzulernen, sondern auch um neue Mitspieler/innen zu finden.

Anmeldungen sind nicht erforderlich, und der Eintritt ist frei.

(fl)

 

 

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Männer-Spielzeug in der Küche

Thermomix
Herzlichen Dank an Betsi, die bunte Kuh, avatarama.blogspot.com

Dass ich in den letzten Jahren via TV schon mehr Küchen gesehen habe, als mir eigentlich lieb ist, damit habe ich mich ja quasi unter dem Siegel der Verschwiegenheit hier schon mal geoutet. Es ist ein mehr oder weniger zweifelhaftes Vergnügen zuzusehen, wenn Gerichte, die mit viel Mühe und Sorgfalt zubereitet wurden, auf Omas Erbstücken mit schweinchenrosa Landschaftsmalerei präsentiert werden. Und daneben stehen Bleikristall-Kelche aus der Aussteuer der Schwiegermutter, sorgsam handgespült und umgehend ersetzt, wenn sie dann doch mal zu nahe an die Tischkante gestellt wurde.

Gleichzeitig umso erstaunlicher der Blick auf die technische Ausstattung privater Küchen, die nicht selten so aussehen, als seien sie, seitdem sie aus dem Katalog geschlüpft sind, häufiger geputzt als benutzt worden. Aber schließlich muss jede Menge Schnickschnack auch in Szene gesetzt werden.

Neben mindestens einem Backofen, selbstverständlich auf halber Höhe, sind ein Dampfgarer und ein  Tellerwärmer eingebaut, in direkter Nachbarschaft zur Kaffee-Cappuccino-Latte-Espresso-Maschine im Wandschrank mit direktem Wasseranschluss. Das ist in etwa die Grundausstattung für diejenigen, die darauf schwören, dass Fleisch und Gemüse über Stunden im Kunststoffbeutel gegart, einen ganz besonderen Geschmack haben. Wobei ich mich dann frage, ob bei Plastik-Weichmachern bitter oder umami vorherrscht. Kleiner Hinweis noch für den einen oder anderen stolzen Besitzer: die Dinger werden „ßuwiedd“ ausgesprochen und nicht wie das englische „so sweet“.

Reiskocher, selten funktionierende Schaumschläger-Sprühflasche, Eismaschine im Ausmaß eines mittleren Pizzaofens, und natürlich die knallrote Kitchenaid mit einem Schrank füllenden Sortiment an Zusatzgeräten von der Getreidemühle bis zum Wurststopfer seien nur am Rande erwähnt. Jedenfalls bringen es manche Teilnehmer der hier nicht erwähnenswerten Koch-Reality-Show es fertig, für ein einziges Abendessen dieses gesamte Equipment zum Einsatz zu bringen. Das hat sich dann seine Bezeichnung „Männerspielzeug“ redlich verdient. Aber dazu später noch die eine oder andere Anmerkung.

Was in meiner Aufzählung für die Küchengeräte, die mehr unter die Kategorie „schweineteuer“ als unter „wirklich nötig“ fallen, noch fehlt ist die angebliche Wundermaschine eines traditionsreichen Herstellers von Staubsaugern und Teppichböden: der Thermomix. Auch er steht in vielen Küchen, die im Fernsehen gezeigt werden, allerdings gar nicht so häufig im Einsatz, wie man von einem Gerät erwartet, um das sich einmal im Monat sogar ganze Zeitschriften drehen. Denn in diesen Sendungen geht es in erster Linie ums Kochen und nicht ums Kochen lassen, weshalb der Thermomix bestenfalls mal zum Kleinschreddern oder Pulverisieren von Zutaten zum Einsatz kommt. Bemerkenswert, dass mir im Internet auf einer einschlägigen Rezeptseite als Erstes ein Couscous-Salat angezeigt wird, für den man den Couscous in einem ganz normalen Topf einweichen und Tomaten und Gurken mit der Hand würfeln muss, während zur großen Arbeitserleichterung und Zeitersparnis Kräuter, Öl, Zitronensaft und Gewürze in einem Gerät zusammengerührt werden, das mindestens stolze ein-tausend-zweihundert-neun-und-neunzig Ocken kostet.

Mir sind ohnehin technische Geräte suspekt, die vorgeführt werden müssen, um mir eine Kaufentscheidung zu erleichtern. In meinem Hinterkopf spukt dann immer die Frage, ob die Hersteller es nicht fertigbringen, eine vernünftige Gebrauchsanweisung zu schreiben, und ob diese Leute dann die richtigen Ansprechpartner bei möglichen Problemen sind.

Aber natürlich geht es bei den Vorführungen nur vordergründig ums Beraten und Vorführen, sondern vielmehr darum, einen gewissen Gruppenzwang in Sachen Status-Symbol zu erzeugen. Ich kenne nicht nur eine Frau (das Teil scheint nur bedingt unter „Männerspielzeug“ zu fallen), die sich gerne und bei möglichst vielen Gelegenheit als Thermomix-Neubesitzerin zu erkennen gegeben hat und davon schwärmte, wie oft der kochende Mixer in ihrer Küche im Einsatz war. Wohlgemerkt war, denn nach einigen Wochen verschwinden nicht wenige der teuren Neuanschaffungen in den Tiefen von Schränken oder Kellern, um dann ein Jahr später mit nicht unerheblichem finanziellen Verlust als „1-2-3 meins“ auf den virtuellen Markt geworfen zu werden.

Bevor jetzt alle Thermomix-Fans aufheulen: Ja, es gibt auch Küchen, in denen er auch Jahre nach der Anschaffung im Einsatz ist. Manchmal sogar noch, nachdem auch das jüngste Kind aus dem Brei-Alter heraus sind. Ich will auch gar nicht abstreiten, dass mit dem Teil wunderbar püriert, gehäckselt und gemahlen werden kann, dass die unbeaufsichtigte Herstellung einer Sauce hollandaise etwas Feines ist. Aber, wer sich von einem Chip vorschreiben lässt, mit wieviel Gramm Mehl eine Sauce gebunden werden soll, wer den Hinweis braucht, dass längeres Mitkochen von beispielsweise Basilikum kein tolles Geschmackserlebnis verspricht, sollte meines Erachtens erst einmal Kochen lernen und sich dann Gedanken über die Anschaffung von sündteuren Gerätschaften machen. Ich jedenfalls komme gut zurecht mit meinem Kochtöpfen, einem guten Gemüsehobel und einem Pürierstab und habe viel Geld gespart.

Um den Bogen zurück zu den Männern zu schlagen, bei denen die High-End-Küche den Motorrad-Oldtimer oder die elektrische Eisenbahn ersetzt: für sie bedeutet der Thermomix-Preis oft die sprichwörtlichen Peanuts. Für einen Messersatz mit handgeschmiedeten Klingen, inklusive Namensgravur und individuell angepassten Handgriffen, wechseln schon mal deutlich mehr Scheine den Besitzer. Und die Outdoor-Küche mit Superduperschnickschnack-Grill inklusive Smoker, die in erster Linie angeschafft wird, um Nachbarschaft und Gäste zu beeindrucken, kostet schon mal locker so viel, wie ein mittlerer Gebrauchtwagen. Aber dann sind Anschaffung und Gebrauch solcher Luxusgegenstände – mit denen natürlich nur besonders ausgefallene (und teure) Zutaten, verarbeitet werden, die gerne von weit her angeflogen, mindestens aber mit dem SUV aus dem nahen Bio-Supermarkt herangekarrt werden – kein profanes Hobby mehr. Sondern es handelt sich um das Phänomen der „gastrosexuellen“ Männer.

Die Bezeichnung gibt es tatsächlich, auch diverse Artikel und Bücher, die sich damit befassen. Ich werde darauf verzichten näher darauf einzugehen, weil ich nicht sicher bin, wie ich einen Zusammenhang zwischen teuren Küchengerätschaften mit rasant rotierenden, extrem scharfen Messern und männlicher Sexualität herstellen kann, ohne dass die alte Emanze hemmungslos aus mir herausbricht, die dann solche Begriffe wie „Porsche-Effekt“ und „Kompensation“ hier einstreut. Beim letzten Satz bekommt übrigens gerade der Begriff „Schere im Kopf“ eine ganz neue Bedeutung.

Ich geh jetzt mal Pasta kochen. Nudeln gibt’s erst morgen wieder.

fl

 

 

Früher spielten wir mit „Negerpuppen“

Sie klingen ganz ähnlich, sind leider Anglizismen (die ich bekanntlich nicht mag), haben beide mit Machtverhältnissen zu tun und haben beide eine Debatte angestoßen, die die einen für überfällig, die anderen für überflüssig halten: Die Hashtags metoo und metwo. Wie sich am geänderten Verhaltenskodex vieler Firmen und Institutionen und auch an juristischen Verfahren gezeigt hat, war und ist metoo nicht überflüssig. Und dasselbe behaupte ich auch für metwo in der Hoffnung, dass er auch nachdenklich darüber macht, wieviel Rassismus in jedem selbst steckt. Ich bin überzeugt, dass nicht wenige Menschen, die im Brustton der Überzeugung von sich behaupten, auf gar keinen Fall niemals nie nicht rassistische Gedanken zu haben, lügen – als Erstes sich selbst an. Wer mich, oder auch nur gewisse Blogbeiträge kennt, dürfte wissen, wie wichtig mir Werte wie Toleranz, das Vermeiden und Überwinden von Vorurteilen, Minderheitenschutz und Integration sind. Aber auch ich entdecke immer mal wieder rassistische Gedanken in mir, die sich zwar nicht im Wortsinn auf Rassen, sondern bestimmte Gruppierungen oder Herkunft beziehen. Mal erschrecken sie mich, manchmal amüsieren sie meine schwarze Seele. Aber nur ein kleines Bisschen.

Mal so ganz privat und unter uns: Im tiefsten Bayern krieg ich ganz schnell ganz doll Rassismus. So doll, dass ich auch bestimmte bayerische Politiker/innen für unerträglich halte. Egal, was sie sagen oder ob sie nur zynisch grinsen. Prominente Vertreter/innen dieser Spezies könnten das Münchner Telefonbuch auswendig rückwärts aufsagen, mein erster Gedanke wäre „wie dumm“.

Und dann gibt es die Menschen, denen gar nicht bewusst ist, dass manche ihrer Gedanken leider das Prädikat „rassistisch“ verdienen, manchmal (in hoffentlich seltenen Fällen) sogar mit Auszeichnung. Das kann unter anderem daran liegen, dass die Ansprüche an ein tolerantes Miteinander sich im Laufe der Zeit gewandelt haben.

In meiner Kindheit beispielsweise war die Bezeichnung „Neger“ überhaupt nicht negativ gemeint. Wie denn auch, wenn in „meinem“ Kindergarten eine Sparbüchse stand mit der Figur eines kleinen, dunkelhäutigen Jungen, der jedes Mal nickte, wenn wir einmal im Monat 50 Pfennig für „die armen Negerkinder in Afrika“ (Originalzitat) da rein warfen? Wir Kinder waren so stolz, etwas Gutes getan zu haben, da war in unseren Köpfen überhaupt kein Platz da, irgendetwas negativ sehen zu können. Und nachmittags spielten wir Mädchen (!) dann Zuhause mit unseren „Negerpuppen“.

Natürlich rechtfertigt das in keiner Weise, wenn jemand, der so groß geworden ist, heute das Wort „Neger“ verwendet. Schon gar nicht, wenn der Innenmister eines Bundeslandes im 21. Jahrhundert von einem „wunderbaren Neger“ faselt (und Nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich Rassismus kriege, wenn es um Bayern geht). Denn heute wissen wir, dass jemand, der als „Neger“ bezeichnet wird, sehr gute Gründe hat, sich diskreditiert, diffamiert und beleidigt zu fühlen.

Und damit komme ich zu einem anderen, wichtigen Punkt: Wer entscheidet, wer und ab wann sich jemand als Rassismus-Opfer fühlen darf? Diejenigen, die (wie ich) das Thema eher theoretisch angehen, diejenigen, die sich von politischer Korrektheit genervt fühlen, oder etwa diejenigen, die meinen, dass Beschimpfungen doch viel „besser“ sind als Baseball-Schläger?

Wer soll bewerten, ob sich jemand tief verletzt fühlt, oder nur rumjammert? Müssen bestimmte Begriffe aus Kinderbüchern, deren Autor/innen über jeden Rassismus-Vorwurf erhaben sind, völlig verschwinden? Oder reicht eine Anmerkung um ihren früheren Gebrauch zu erklären? Fragen, bei denen es schwer ist, eine Antwort zu finden. Und deshalb ist es so wichtig, sie offen und ohne Vorbehalte und Abwiegelungen zu diskutieren. Gerade in Zeiten, in denen bestimmte Kreise versuchen, Fremdenfeindlichkeit als eine Grundlage für Rassismus, salonfähig zu machen.

fl

Schachbrett im Kopf

Sommer eben

Ende Juli 2018, das WDR-Fernsehen bringt eine Sondersendung. Thema: Sommer in NRW. Ich bin dankbar, dass die TV-Macher mich darauf aufmerksam gemacht haben, dass ein jährlich wiederkehrendes Phänomen aufgetreten ist. Die Informationen, dass die Sonne vom Himmel ballert wie selten, und das es schweineheiß ist, brauchte ich sicher auch ganz dringend aus dem Fernsehen.

Da habe ich mich gerade abgeregt über den Medienhype um einen Fußballer, der sich dämlicherweise mit dem türkischen Despoten hat fotografieren lassen und jetzt nicht mehr in einer Nationalmannschaft spielt, die ohnehin zuletzt auf Zweit-Liga-Niveau kickte, da kommt mir ein Fernsehsender mit sowas. Mal ganz im Ernst: Für wie doof halten mich diese Leute, die mich aus dem per Klimaanlage wohltemperierten Studio heraus darüber aufklären, dass es zwar – welch Überraschung im Juli –  sommerlich heiß ist, wahre Hitzerekorde aber nicht in Sicht sind. Glauben sie tatsächlich, ähnlich wie ihre Kolleg/innen der schreibenden Zunft, ohne ihre Dokumentationen und Berichte (mit oft sicht- und lesbar geringem Recherche-Aufwand) wären mir diese bahnbrechenden Informationen entgangen, hätte ich nicht mal geahnt, dass in Freibädern Hochbetrieb herrscht und ausreichender Hautschutz  zur Zeit besonders wichtig ist?

Gewisses Nervpotential erkenne ich inzwischen auch, wenn persönliche Gespräche in Rekordzeit in eher überflüssige, als Mitleid erregende Stöhnerei darüber, wie sehr man doch schwitzen muss, ausartet. Ja, die Suppe läuft, aber das ist wahrlich kein Einzelschicksal, sondern betrifft alle. Anlass zum Stöhnen bieten da bestenfalls die Menschen, die nicht wahrhaben wollen oder können, wann ein vermehrter Einsatz von Wasser und Seife im Unterarmbereich dringend geboten ist, und dass der Einsatz von Deodorant diesen keinesfalls ersetzen kann.

Wirklich bedauernswert sind derzeit vor allem die Menschen in den griechischen Waldbrand-Gebieten und die Landwirte, für die sich der Arbeitseinsatz in diesem Jahr nur zu einem geringeren Teil als üblich gelohnt hat. Es gibt auch andere Berufsgruppen, die unter der derzeitigen Hitze besonders zu leiden haben, komischerweise hört man die eher selten stöhnen.

Mal davon abgesehen: was soll es bringen, sich gegenseitig zu schildern, wie warm es in der Küche, im Wohnzimmer und im Schlafzimmer ist? Ändert sich dadurch irgend etwas? Wird es dadurch für ein paar Sekündenchen kühler? Also bitte, spart Euch das und nutzt die Energie, Bewohner/innen von Dachgeschoß-Wohnungen, wie mich, von Herzen zu bedauern.

Temperaturen von um die 30 Grad abends um 23 Uhr in der Wohnung sind wirklich kein Spaß. Stöhne ich? Nein, ich erfinde merkwürdige Konstruktionen in der Hoffnung, dass ein Eimer kaltes Wasser hinter dem Ventilenti dafür sorgt, dass er nicht nur die warme Luft im Wohnzimmer verquirlt. Ansonsten leide ich (fast) still vor mich hin oder schreibe einen Blogbeitrag darüber, wie schrecklich heiß es doch zur Zeit ist.

fl

Hitze
Wenn man fest dran glaubt, wird es dank des Wassereimers und nicht unbeträchtlichen Stromverbrauchs um etwa zwei Grad kälter unterm Dach

 

Das Grauen kehrt zurück – oft in braun-beige

Der Inbegriff an Spießigkeit aus meinen jungen Jahren feiert eine Wiederauferstehung und teilt mit mir ein Schicksal: Im Laufe von Jahrzehnten sind wir beide nicht schöner geworden. Ich aber hoffentlich deutlich weniger spießig.

Die Rede ist von Makrame, einer Freizeitbeschäftigung, bei der – meist eher grobe  – Seile mittels Knoten ineinander verschlungen werden, mit dem Ergebnis irgendwelcher sinnloser Objekte, die eher selten durch einen angenehmen Anblick überzeugen, aber trotzdem wieder in deutschen Wohnzimmern zu finden sind. Wikipedia fasst das wie folgt zusammen: Makramee bezeichnet eine aus dem Orient kommende Knüpftechnik zur Herstellung von Ornamenten, Textilien oder Schmuck. Mit den Kreuzrittern und den Mauren (über Spanien) gelangte diese Technik nach Europa. Hier erlebte sie seitdem mehrere Blütezeiten, in denen zum Teil sehr feine Knotarbeiten entstanden. Die letzte Blütezeit in Deutschland lag in den 1970er Jahren, mit meist sehr rustikal anmutenden Arbeiten.

Tja, leider erleben gerade die „rustikal anmutenden Arbeiten“ (klingt netter als grottenhässlich, oder?) derzeit eine neue Blütezeit. Gab es früher kleine Bastelheftchen mit Anleitungen für merkwürdige Dinge, die man an die Wand hängen konnte, gibt es heute im Internet eine Vielzahl von Filmen, bei denen die Zuschauer/innen Knoten für Knoten nachknüpfen können. Heraus kommen dann meistens irgendwelche merkwürdigen Dinge, die man an die Wand hängen kann. Verblüffend ist auch die aktuelle Zahl neuer gedruckter Ratgeber für den kreativen Umgang mit rauen Seilen. Allein bei einem großen Versandhandel, der in Deutschland enorme Gewinne macht, aber wenig Steuern bezahlt, sind über 250 Titel im Angebot.

Und natürlich beschränken sich die Vorschläge für die Ergebnisse von vielen Knoten nicht nur auf merkwürdige Dinge, die man an die Wand hängen kann. Da gibt es beispielsweise auch Kissen, die ganz bestimmt beim kleinen Nickerchen auf dem Wohnzimmer-Sofa interessante Wangenmuster hinterlassen. Und nicht nur zwischen zwei Ästen verschlungene Seile feiern Renaissance, bei denen nicht selten die Erklärung der Hobbykünstler erforderlich ist, um wenigstens vermuten zu können, das es sich um das Abbild von Eulen handeln könnte. Nein es geht noch schlimmer. Ich sag nur BLUMENAMPELN!!! Und hülle mich in höfliches Schweigen, um nicht einen neuen Rekord an mit Schimpfwörtern gespickten, abfälligen Bemerkungen in einem einzigen Blogbeitrag aufzustellen.

fl

Makramee

Vegetarier brauchen keine Extrawurst

„Boooaaah, dann stopf dir doch den Mund voll mit deinem makrobiotischbiodynamischen, bei abnehmendem Neumond mit in der Quelle des Amazonas energetisierten Natursteinen gemörserten Brotaufstrich. Aber bitte so voll, dass du dann nur noch schweigend kauen kannst.“ Nur der – bestimmt nicht immer mühelosen – Erziehung meiner Eltern zu Höflichkeit und netten Umgangsformen ist es zu verdanken, dass ich solche Gedanken für mich behalte, wenn mir mal wieder jemand mit viel missionarischem Eifer und häufig noch mehr Wissenslücken den neuesten, nicht nur besonders gesunden, vor allem aber besonders angesagten Ernährungstrend schmackhaft machen will.

Nein, ich habe überhaupt nichts gegen Vegetarierer/innen und Veganer/innen*. Sie können essen, was immer sie wollen, solange sie nicht meinen, jeden, den es nicht interessiert, davon in Kenntnis setzen zu müssen. Gerade bei Veganern fällt mir häufig eine überhebliche und selbstherrliche Attitüde auf, mit der sie deutlich machen wollen, die besseren Menschen zu sein, weil sie mit dem Verzicht auf alle tierischen Produkte Natur und Umwelt viel mehr schonen, als alle anderen Menschen mit einem ökologischen Bewusstsein zusammen. Äh nö, es ist kein wirksamer Umweltschutz, wenn die Alternativen für Wolle, Federn oder Leder den Plastikberg weiterhin anwachsen lassen, dessen Herstellung ja nun auch nicht gerade eine Wohltat für Luft und Boden ist.

Da lob ich mir doch ganz lockere Vegetarier, wie die 16jährige Büchereipraktikantin, die in einem Gespräch über Kochbücher und Kochen mal so ganz am Rande erwähnte „Bei uns Zuhause isst niemand Fleisch.“ Das sich daraus ergebende Gespräch war dann ausschließlich meiner Neug…, äh meinem Interesse geschuldet, und wahrlich nicht einem unerwünschten Mitteilungsbedürfnis meines Gegenübers, denn da ist Fehlanzeige.

VegetarischIn Naemis Familie leben drei Generationen vegetarisch, die Jüngeren von Geburt an. Entsprechend selbstverständlich ist das Weglassen von Fleisch auf dem Speiseplan, als Verzicht wird das nicht empfunden. Schließlich bietet das Angebot an Lebensmitteln in diesem Land eine derart große Palette, dass die Familie auch keinen Bedarf an Ersatzprodukten wie vegetarische „Würstchen“ oder „Schnitzel“ sieht. Wer die nie probiert hat: Menschen mit durchschnittlichem Geschmacksempfinden dürften lieber nahezu jeden „Verzicht“ in Kauf nehmen, als sich das anzutun. Bei den wohlschmeckenden Ausnahmen vergeht einem leider beim Anblick der Zutatenliste schon der Appetit. Ja, ich habe blöderweise erst gegessen und dann gelesen. Die alte Römer-Weisheit „Ein voller Bauch studiert nicht gern“ zählt da wohl nicht als Erklärung/Entschuldigung.

Aus der Ernährungsweise macht in Naemis Familie, die ich spontan zu meinem Lieblingsbeispiel für sehr sozialverträgliche Umgang mit alternativen Ernährungsformen erklären möchte, kein Geheimnis. Naemi: „Wenn mich jemand fragt, gebe ich natürlich Antwort und führe auch längere Gespräche zu dem Thema. Ansonsten ist das aber meine Sache, die ich von mir aus nicht thematisieren muss“.

Ach, liebe Veganer missionarischen Blogger und (bei mir besonders beliebt) selbst ernannte „Influencerinnen“, könnt Ihr Euch bitte mal ein Beispiel an der 16jährigen nehmen? Und liebe Leute, die ihr auf Essenseinladungen mit einer langen Liste unerwünschter Lebensmittel und Zutaten reagiert, könnt Ihr Euch auch bitte ein Beispiel an eben dieser 16jährigen nehmen, wenn sie feststellt „Vegetarier brauchen keine Extrawurst.“?

fl

*Ab dieser Zeile bitte ich die geneigte Leser/innenschaft ;-), sich das „/innen“ zu denken.

Wenn Spiele mehr als Spielerei sind

„Ohne Schlüssel kommen Sie nicht in die Grabkammer“. Das ist nur eine von vielen Informationen, die die Veranstaltungen mit dem Ehepaar Silbermann aus Bayern immer wieder zu einem besonderen und besonders vergnüglichen Erlebnis machen.

Aber fangen wir mal von Vorne an: Als ehrenamtliche Bücherei-Mitarbeiterin komme ich natürlich mit Medien in Berührung, die in ihrer Vielzahl und Abwechslung privat unerreichbar sind. Es sei denn, der Millionär… aber das ist ein anderes Thema. Erleichtert wird diese Tätigkeit sicher dadurch, schon seit der Kindheit zur Spezies der Leseratten zu gehören. Ebenfalls gehöre ich zur Spezies der Gluckenmütter und daher sind mir Spielereien aller Art nicht fremd. Als die Brut das mütterliche Nest verließ, stand ich vor dem Dilemma „Keiner spielt mehr mit mir“, das sich aber gemeinsam mit einem jungen, inzwischen befreundeten Paar durch die Organisation eines regelmäßigen öffentlichen Spieletreffens aus der Welt schaffen ließ. Durch die Kombination von Bücherei und Spieletreffen gehen Trends und Neuerscheinungen nicht mehr an mir vorbei. Aber ein Highlight sind die regelmäßigen Veranstaltungen mit dem bereits erwähnten Ehepaar Silbermann in der schönsten Bücherei am Platz.

Sie beide verkörpern eine geballte Kombination von Kompetenz und Spielfreude, wenn sie Vertreter/innen von Kindergärten, Büchereien und anderen öffentlichen Einrichtungen Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt empfehlen, über Entscheidungen für das Spiel des Jahres berichten oder auf Projekte zur Spielförderung hinweisen. Denn, sie haben jedes Spiel, das sie erklären, schon mal gespielt. Viele nicht nur einmal. Andere wurden regelrechten Härtetests unterzogen, die schon mal bis zum freien Fall aus dem Fenster des zweiten Stockwerks umfassen können.

Martina Silbermann, gelernte Bibliotheksassistentin und spätere Marketing-Leiterin eines Spieleverlages weiß nicht nur, welche Kriterien wichtig sind für eine möglichst reibungslose Ausleihe in öffentlichen Büchereien, während Andreas Silbermann als gelernter Kaufmann und langjähriger Außendienstler nicht nur die geschäftlichen Abläufe im Fokus hat. Sondern beide wissen bestens Bescheid, welche Spiele Spaß machen, welche langweilig sind, wie hoch der „Schadenfreude-Faktor“ ist und an welchem Zubehör man mehr oder weniger lange Freude hat. Beide zusammen sind die Spieletruhe, die sich auf den Versand von Gesellschaftsspielen für öffentliche Einrichtung spezialisiert hat und dabei Serviceleistungen vom Einbinden in Folie bis zur Ersatzteilbeschaffung bietet.

Wenn sie Gesellschafts-Spiele im allgemeinen und aktuelle Spiele im Besonderen sprechen, wird Eines ganz schnell klar: Sie haben es geschafft, ihr Hobby zum Beruf zu machen, wobei sie die nicht vorhandene Trennung von Privatleben und Geschäft nicht stört. Wichtig ist, dass (unter anderem) der Würfel rollt. Und das tut er für die Beiden manchmal sechs und mehr Stunden am Tag, wenn neue Spiele ausprobiert und bewertet werden müssen. Da kommt der (Originalzitat Martina Silbermann) „manchmal leidensfähige Freundeskreis“ im Sinne des Wortes ins Spiel. Da gibt es aber auch verschiedene Spielegruppen, die mit und ohne die Silbermanns meistens sehr vergnügliche, manchmal aber auch langweilige Stunden mit Spielkarten, Spielbrettern, Figuren, Würfeln und anderem Zubehör verbringen. Alle dabei gesammelten Erfahrungen fließen am Ende in die Entscheidungen ein, welche Spiele in den Katalog aufgenommen werden.

Und wenn die Silbermanns dann vor interessiertem Publikum darüber informieren, welchen Zielgruppen welche Spiele besonderen Spaß machen, ist es schon ein Vergnügen, dabei zuzuhören, Figuren und Zubehör in die Hand zu nehmen und sich erste Strategie-Tipps geben zu lassen. Auf jeden Fall weckt es den Wunsch, irgendwann mal zusammen mit Martina und Andreas Silbermann einen Spieleabend zu verbringen.

fl

Spiele Silbermanns

Ojeeeeh ohjeohejohje

Ja, sie kommt, und sie kommt bald, ganz bald. Die Werbung zeigt bereits jetzt, dass man kaum dran vorbeikommen wird, auch wenn ein persönliches Interesse sehr gering bis nicht vorhanden sein mag. Ja klar, es geht um die Fußballweltmeisterschaft, die dafür sorgt, dass Waschpulver zu vergünstigten Preisen angeboten wird, in Schokoladen- und  Chips-Packungen ein paar Gramm mehr als üblich sind, und man den Gartengrill nur noch mit einer ganz bestimmten Sorte Würstchen bestücken soll. Vom Wettstreit der Brauereien um das beste Fußballerbier ganz zu schweigen.

Ganz ehrlich, das ganze Brimborium rund um die Fußball-WM nervt mich jetzt schon. Ich verkneife mir dumme Sprüche über erwachsene Männer, die hinter einem Kinderspielzeug herlaufen. Ich ärgere mich auch nur im Stillen über die Unsummen von Geldern, die manchmal durch obskure Kanäle hin- und hergeschoben werden, und ich werde mich auch nicht über den Missbrauch von Sport zu politischen Zwecken auslassen.

Aber ich werde mich darüber ärgern, wenn ein Sportereignis zum Anlass genommen wird, die erste Strophe des Deutschlandliedes zu gröhlen (die sogenannten Fans müssen dazu nicht mal besoffen sein). Allerdings werde ich mit Gelassenheit den ohne Kaffeesatz und Glaskugel vorhersehbaren Shitstorm im Netz beobachten, wenn ein Spieler beim Absingen der Nationalhymne nicht textsicher ist, oder schlimmer noch, den Untergang des christlichen Abendlandes heraufbeschwört, wenn er sich komplett diesem Gesang verweigert. Ich werde mich bestenfalls über Rechtschreibfehler in rhetorisch und grammatikalisch höchst fragwürdigen Beiträgen amüsieren.

Und auch der gebetsmühlenartig geführten Diskussion darüber, wie patriotisch, nationalistisch oder gar völkisch die an jeder Ecke zu sichtenden schwarz-rot-goldenen Fahnen, Wimpel, Autoverzierungen und Banner sind, werde ich mich verweigern. Wenn jemand meint, das seien nicht nur Fußball-Devotionalien, sondern man müsse unbedingt seine politische Ausrichtung durch farbigen Stoff demonstrieren, nun denn. Nur braunkarierte Badehosen, die müssen es wirklich nicht sein.

fl

Fußball-Teddy
Wo in der schönsten Bücherei am Ort Medien zum Thema Fußball zu finden sind, ist derzeit unübersehbar.

DSGVO und/oder das Ende der Bloggerei?

geralt data-protection-regulation-3413077_1920(Bildnachweis: CC0-Lizenz, Gerald auf pixabay.de)

Ein kleiner Hinweis:

Wir haben uns mal mit der neuen Datenschutzgrundverordnung beschäftigt. Datenschutz an sich ist ja eine gute Sache und wenn ich nun nur noch die Hälfte aller nicht bestellten Newsletter bekomme ist das ja auch ein Erfolg, aber die EU-Bürokraten sind – wie so oft  mal wieder weit über das Ziel hinausgeschossen.

Die Folge ist nun, dass wir gar nicht wissen, ob ein Blog nicht schon prinzipiell gegen die DSGVO verstößt. Das wäre dann wohl das Ende der Bloggerei weltweit oder europaweit: Aber wer will das?  Wir sind sehr gespannt auf die nächsten Schritte. Bis es soweit ist werden wir unseren Blog aber offen halten und hoffen auf eure Unterstützung.

Rechtlich heben wir mal nach bestem Wissen und Gewissen unsere Datenschutzerklärung angepasst. Herausgekommen ist ein Monströses Textwerk von 27 DIN-A4-Seiten! So viel mal zum Thema, das ganze soll leicht verständlich und gut lesbar sein. Wir hoffen jedenfalls, uns damit einigermassen gegen Abmahnung abgesichert zu haben. Wer noch etwas findet, was fehlt: Bitte melden, wir bessern gerne nach.

Und grundsätzlich gilt bei uns sowieso: Wir geben keinerlei Daten an Fremde weiter. Aber was WordPress mit euren Daten macht, können wir leider nicht beeinflussen. Wenn ihr hier also Beiträge kommentiert oder liked, dann geschieht das natürlich mit eurem Nicknamen hier bei worpress. Wer nur mitliest, wird – zumindest für uns sichtbar – nur in soweit erfasst, aus welchem Land der Besucher kommt und mit welcher Suchmaschine oder über welchen Link er auf unsere Seite gestossen ist. Persönliche Daten erfahren wir nicht und das ist auch gut so (obwohl wir natürlich schon gerne wüssten, wer die/der regelmässige Leser*in aus den USA ist).

Le

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