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Portion Senf dazu?

Die Bücherei St. Lamberti bloggt

Pro Stich ein Euro

Es ist schon ziemlich verrückt. Das Münsterland ist in heller Aufregung wegen des massenhaften Aufkommens von Raupen, deren Brennhärchen üble Auswirkungen bis hin zum anaphylaktischen Schock haben können und gleichzeitig gibt es viele Ideen, Vorschläge und Initiativen, um einem weiteren Aussterben von Insekten entgegen zu wirken. Es ist also, wie so oft: Von den Bösen gibt es viel zu viel, von den Guten viel zu wenig. Ich könnte jetzt behaupten, die Idee „Tu mal was für die Guten“ wäre ausschlaggebend dafür gewesen, dass ich meine Balkonkästen mit einem Saat-Vlies für „Bauerngarten-Blumen“ bestückt habe. Die Wahrheit ist, dass kein einziger meiner Daumen irgendeine grüne Färbung aufweist.

Für die Vlies-Dinger reichen meine gärtnerischen Fähigkeiten durchaus. Dass sich, wie auf der Packung versprochen, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten magnetisch angezogen fühlen, konnte ich allerdings nicht feststellen. Reichten im Vorjahr Lavendel, Tomaten und ein paar Kräuter, dass sich in schöner Regelmäßigkeit Bienen bis in den dritten Stock verirrten, habe ich bislang nur Blattläuse gesehen. Und Ameisen. Jede Menge Ameisen, die sich über die Läuse ganz sicher mehr freuen als ich. Der dicke Kreidestrich, den ich vor der Balkontür gezogen habe, hat übrigens keine esoterische Bedeutung.

Als Alternative eine Patenschaft für Blühstreifen zu übernehmen, wie sie von Landwirten angeboten wird, kommt allerdings für mich nicht in Frage. Dabei geht es nicht darum, dass ich etwas dagegen hätte, wenn statt totgespritzter Mais-Brachen mehr und mehr blühende Wiesen zu finden sind, im Gegenteil. Ich habe nur etwas dagegen, dass diejenigen, die ganz sicher nicht unbeteiligt sind am Insektensterben sich jetzt loben und vor allem großzügig bezahlen lassen, wenn sie wenigstens auf kleinen Randflächen diese Schäden wieder wett machen wollen. Außerdem leiste ich persönlich einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zum Fortbestand von Insekten, allerdings nur für blutsaugende Mücken. Die nämlich gibt es im Gegensatz zu Bienen und Schmetterlingen im Blumenkasten in meinem Wohnzimmer und meinem Schlafzimmer reichlich. Diese Mistviecher scheinen ihr nervtötendes Surren, mit dem man sie lokalisieren kann, in diesem Jahr eingestellt zu haben. Dafür haben sie sich aber anscheinend die Fähigkeit zugelegt, durch Shirts, Blusen und dünne Hosen stechen zu können und haben im Vergleich zu den Vorjahren das Juck-Potential ihrer Stiche verdoppelt.

Um zwischen 30 und 100 Eier ablegen zu müssen, brauchen die Mückenweibchen Blut, ich habe also in den vergangenen Tagen die Existenz von einigen hundert, wenn nicht gar tausend Mücken gesichert und damit auch Gutes für die Vogelwelt getan. Und für Fledermäuse – nicht, dass mir das ein besonderes Anliegen wäre. Es wäre also nicht die schlechteste Geschäftsidee, wenn ich für einen Euro eine Patenschaft pro Mückenstich anbieten würde. Interessierte bitte melden!

Und bis ich mir davon einen Urlaub leisten kann, genieße ich auf Balkonien den Anblick von Bauerngarten-Blumen. Sie sehen nämlich wirklich schön aus.

fl

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Frisch aus dem Container

Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne und gut esse, denn das sieht man mir an. Der Hang zu gutem Essen mit der gleichzeitigen Wut über Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln könnte fast Anlass dazu geben, dass ich kriminell werde, wenn nicht Übergewicht in Verbindung mit beschämender Unsportlichkeit mich davon abhalten würde. Denn leider sind die Container der Supermärkte in der Regel von hohen Zäunen umgeben, um die Lebensmittel kurz bevor sie vernichtet werden vor dem Verzehr zu bewahren. Großartige Geste :-(.

Ja, ich finde Containern, also noch gut verwendbare Lebensmittel aus Abfallbehältern vor der Vernichtung zu retten, gut. Natürlich wäre es mir lieber, das Konsumverhalten würde solche Container überflüssig machen. Aber leider gibt es viel zu viele Kund/innen, die darauf beharren, kurz vor Ladenschluss unter mindestens zehn statt drei Brotsorten auswählen zu können. Die Folge: Supermärkte vermieten Ladenflächen nur an Bäckereifilialen, die sich verpflichten, auch am späten Nachmittag mehr Waren im Angebot zu haben, als sie bis Feierabend verkaufen können. Und vielen Vebraucher/innen ist es nicht begreiflich zu machen, dass der Verzehr eines Erdbeerjoghurts einen Tag nach dem MINDESThaltbarkeitsdatum nicht den sicheren Tod oder wenigstens tagelange Beschwerden bedeuten, die eine größere Entfernung von der Badkeramik nicht ratsam erscheinen lassen. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass ein Fruchtjoghurt auch noch Wochen nach dem vom Hersteller empfohlenen Verzehr-Termin keinerlei gesundheitliche Schäden hervorruft und kann versichern, dass er sogar noch schmeckt.

Dass übrigens ist es, was mich in der ganzen Debatte um Haltbarkeitsdatum, Verzehrempfehlung und Warnung vor Verdorbenem aus dem Container immer wieder erstaunt: Warum vertraut niemand mehr auf den gesunden Menschenverstand, der einem sagt, dass Lebensmittel, die mit einem weißgrünen Flaum überzogen sind, ebenso in die Tonne gehören und dort bleiben müssen wie die, die einem zu widerlichen olfaktorischen Erlebnissen verhelfen. Und wenn eine  Messerspitze Testportion auf der Zunge britzelt oder muffig schmeckt, wird wohl kein vernünftiger Mensch zum Löffel greifen.

Ich bin immer mal wieder für mehrere Tage zu Gast in einer kleinen Landkommune, deren Bewohner/innen sich neben Erzeugnissen aus dem eigenen, nicht gerade kleinen Garten, vorwiegend mit Lebensmitteln verpflegen, die sie beim Containern ergattern können. Anders, als bei vielen Menschen, bei denen die Bedürftigkeit Anlass fürs Containern ist, ist es bei ihnen der Umweltgedanke und die Ablehnung der immer mehr um sich greifenden Wegwerf-Mentalität.

Die Folge: Ein sehr abwechslungsreicher Speiseplan, zum Teil mit Zutaten, die durchaus der Luxusklasse zuzuordnen sind. Das Kochen dort macht mir richtig Spaß, nicht nur weil an Singlemahlzeiten gewöhnt, die Mengen und Portionsgrößen eine Herausforderung sind, sondern weil mein Improvisationstalent gefordert wird. Zu kochen mit dem, was da ist und nicht erst einzukaufen um ein bestimmtes Gericht zu kochen, ist eine Herangehensweise die man auch ohne Containern viel häufiger praktizieren sollte. Spart nicht nur Geld, sondern bewahrt davor, dass der Kühlschrank irgendwann mit Resten überfüllt ist, die solange eingetuppert bleiben, bis sie wirklich hinüber sind.

Es macht mich immer wieder leicht fassungslos, welche Lebensmittel meine Gastgeber/innen aus den Containern fischen. Kistenweise Artischocken, teure Bio-Brotaufstriche (gerne auch mit MHD erst in zwei Wochen) und sogar ganze Käseräder wurden da schon „erbeutet“. Letztere hatten nur einen einzigen Makel: Es fehlte das Etikett mit der Zutatenliste und dem Mindeshaltbarkeitsdatum. Ach ja, die Bezeichnung fehlte damit natürlich auch, aber der Käse sah nicht nur aus wie Gouda sondern schmeckte auch so.

Aber, egal wie gut erhalten die Lebensmittel noch sind, wer sie braucht, und wie gut sie schmecken: es ist und bleibt strafbar, sie aus den Containern der Supermärkte zu nehmen. Das haben die CDU-Justizminister jüngst bekräftigt, als sie gegen den Vorstoß ihres grünen Kollegen aus Hamburg stimmten, das Containern zu legalisieren. Das allein finde ich schon ärgerlich, weil vermutlich in erster Linie Parteiräson und nicht Intelligenz und Einsicht ausschlaggebend dafür ist. Wirklich haarsträubend aber finde ich die Begründung der Unionsminister, die den Umweltgedanken in Zeiten von Friday für Future oder populären Videobotschaften wohl für unwichtig halten : „Wir wollen nicht, dass sich Menschen in eine solche menschenunwürdige und hygienisch problematische Situation begeben.“

Ja Herrschaften, wie wärs denn mal dafür zu sorgen, dass Menschen in unserem reichen Land nicht unter solchen menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen, dass sie oft keine andere Wahl haben, als sich in solche Situationen zu begeben? Zum Donnerschlag nochmal!

fl

P.S.: Ratet mal, wer diese Petition schon unterschrieben hat: Containern ist kein Verbrechen

Egal, wie die Haare sind

Das Kunststück einen handtuchgroßen Wahlzettel in einen C6 Briefumschlag so zu stopfen, dass Letzterer auch verschlossen werden kann, habe ich schon bewältigt. Und dabei habe ich in Gedanken den vielen Frauen und Männern Beileid und Hochachtung gezollt, die am Sonntagabend feststellen müssen, an welchen der 40 möglichen Stellen jemand ein Kreuz gemacht hat, um dann anschließend die Stimmen für die einzelnen Parteien zusammenzuzählen.

Da ich, wie seit Jahren – und ja, ich gebe es zu, aus Bequemlichkeit – Briefwahl mache, könnte das Thema Europa-Wahlkampf eigentlich für mich abgeschlossen sein. Nicht zuletzt, weil ich noch kein einziges Wahlplakat gesehen habe, dass ich nur ein klitzekleines bisschen interessant fand.

Wenn ich aber lese, mit welchen Mitteln einige Parteien und Gruppierungen Wahlkampf betreiben, dann werde ich ziemlich sauer. Die Organisation Avaaz hat laut Tagesschau eine Vielzahl von Fake-Profilen auf Facebook aufgespürt, die im Vorfeld der Europawahl Falschinformationen verbreitet haben. Auch Deutschland ist massiv betroffen, von den 550 verdächtigen Seiten und Gruppen aus fünf Ländern steht Deutschland mit 119 Fällen auf Rang zwei hinter Polen mit 197 Fällen. Bei den 328 vermuteten Fake-Profilen ist Deutschland unangefochtener Spitzenreiter mit 204 Fällen. Insgesamt hatten die verdächtigen Seiten, Gruppen, Netzwerke und Profile 31 991 749 Follower (Deutschland: 898 918) und 67 442 042 Interaktionen (Deutschland: 2 203 344). Von 230 von Facebook nach der Avaaz-Untersuchung entfernten Seiten waren 131 aus Deutschland. Muss ich noch erwähnen, dass eine Vielzahl der Seiten der AfD zugeordnet wurden, die auf diesen Wegen nicht nur Falschinformationen, sondern auch rechtsextreme Inhalte verbreitet hat.

Mal ganz ehrlich: Was soll das? Warum meinen Menschen, die nicht mit anständiger Sacharbeit und guten Argumenten überzeugen können, sie müssten Politik machen? Und warum bedienen sich ausgerechnet diejenigen der schmutzigsten Kniffe, die sich als nimmermüde Saubermänner im selbstlosen Einsatz „fürrr unserrr Vaterrrland“ verkaufen wollen? Ja, ich weiß, es gibt auch ein paar selbsternannte Sauberfrauen, aber die geben sich meistens mit der Rolle des emanzipatorischen Feigenblatts zufrieden.

Und was bitte ist das für ein „Wahlkampf“, wenn ein Youtuber der größten Regierungspartei mit einer Vielzahl von durch Quellen belegten Fakten aufzeigt, wo diese in den letzten Jahren versagt hat, und die Reaktionen der Kritisierten darauf fast durchgehend irgendwas mit den blaugefärbten Haaren des Mannes zu tun haben. Sollen wir jetzt den Vorsitzenden einer (zumindest in 2017) regierungsunwilligen kleinen Partei im Bundestag ständig nur noch mit implantiertem Haupthaar in Verbindung bringen? Obwohl dabei wird einem ja in den Kopf gestochen, vielleicht sollte das nicht ganz unberücksichtigt bleiben…

Ja, da macht wählen gehen nicht immer Spaß, was aber der Notwendigkeit keinen Abbruch tut. Ganz nach dem kürzlich von einer jungen Frau gehörten Motto „Mein Opa hat immer gesagt, Wählen ist wie Zähne putzen. Wenn man es lässt, wird’s braun.“

Sollte zufällig jemand derjenigen, die mit ihrer Wahlentscheidung dafür sorgen wollen, dass es braun wird, und die gerade nicht das Netz mit blauen Herzchen fluten, diese Zeilen lesen, nicht vergessen: Wenn Ihr den Wahlzettel unterschreibt, dann zählt Eure Stimme doppelt. Ja, ich weiß, der Witz ist uralt, aber aus seriöser Stimmzählerquelle weiß ich, dass er immer wieder funktioniert.

Wie auch immer:

fl

Zeit für einen Feminismus

„Ein Mann in Unterhose und einer, der den Mixer nicht bedienen kann: Große Empörung, Shitstorm und Boykott-Aufrufe wegen Sexismus und falscher Darstellung des Männerbildes.
Tiefe Ausschnitte, knappe Höschen und Frauen, die sich feiern, dass sie Wohnung und Wäsche sauber gekriegt und ihre Kinder mit Süßkram ruhig gestellt haben: Vögel zwitschern, und irgendwo hört man leise den Frühlingsregen plätschern.“

So habe ich vor wenigen Tagen die Diskussion über den Werbeclip von Edeka zum Muttertag kommentiert. Kurz vorher hatte ich zum Thema Staubsaugen mit der Google-Bildersuche ein paar Fotos gesucht. Zum Schlagwort „Mann mit Staubsauger“ wurden mir u.a. diese Bilder angezeigt, die Euch bekannt vorkommen könnten.

Zum Begriff „Frau mit Staubsauger“ wurde mir dann aber tatsächlich auch so etwas angezeigt:

Es ist also Zeit, dass wir alle mal wieder einen Feminismus kriegen (auch dagegen hilft Wick Medinight nicht, ich hab den manchmal in Anlehnung an Frau Jahnke „ganz doll“), und dazu kann ich die Bücher von Margarete Stokowski sehr empfehlen. Zugegeben, es gab und gibt Kolumnen von ihr auf Spiegel online, die mich nur mäßig begeistern, aber die Zusammenfassung von Beiträgen für taz und SPON aus sieben Jahren unter dem – für manche vielleicht verstörenden;-) –Titel „Die letzten Tage des Patriarchats“ gefallen mir ausnehmend gut.

Sollten sich auf diese Seite Feminismus-Gegner/innen verirrt haben, ich muss euch enttäuschen: Männerhass werdet ihr in dem Buch vergeblich suchen. Finden werdet ihr aber eine ehrliche Bestandsaufnahmen und gut begründete Meinungen zu früher und heute aktuellen Themen und Ereignissen. Da geht es beispielsweise um die Reaktionen auf die schlimme Silvesternacht 2015 auf der Kölner Domplatte, um den „Bullshit-Feminismus“, mit dem sich, gerne auch prominente Frauen schmücken, oder auch um sexistische Äußerungen und sexualisierte Drohungen im Internet. Die Autorin zeigt Defizite auf und macht Verbesserungsvorschläge, glücklicherweise aber ohne den erhobenen Zeigefinger einer Svenja Flaßpöhler oder einer zunehmenden Engstirnigkeit einer Alice Schwarzer. Okay, die Attitüde der Akademikerin im medialen Sonnenschein würde ihr auch nicht stehen, und für Altersstarrsinn ist Stokowski noch viel zu jung. Dafür scheut sie sich aber nicht, persönliche Erfahrungen – nicht immer mit für sie schmeichelhaftem Ausgang – zu beschreiben und zu bewerten und öffentlich ihre Lehren daraus zu ziehen.

Das ganz besonders in ihrem anderen Buch mit dem – für manche vielleicht verstörenden;-) – Titel „Untenrum frei“. Sie beschreibt Erziehung, Pubertät und Erwachsenwerden und-sein in einer Zeit, in der die Frauenbewegung schon eine Menge erreicht hat. In einer Zeit, in der aber auch Ungleichbehandlung und Abwertung von Frauen oft wahlweise mit einem Schulterzucken oder einem süffisanten Lächeln hingenommen, oder weitaus schlimmer, gar nicht mehr wahrgenommen werden. Für Frauen wie mich, für die schon aus Altersgründen bereits vor Jahrzehnten Frauenrechte, Emanzipation und Feminismus zum Thema wurden, findet sich nicht wirklich Neues in dem Buch. Es erinnert aber in einer sehr gelungenen Zusammenfassung an Vieles, das nicht in Vergessenheit geraten und erst recht nicht verdrängt werden sollte.

Beide Bücher sind für Frauen jeden Alters zu empfehlen, egal ob sehr jung oder schon ziemlich alt. Und auch Männern schadet es ganz sicher nicht, sie zu lesen. Stokowskis Stil, sehr direkt, manchmal sogar ein bisschen schnoddrig, gefällt mir persönlich sehr gut (woher das nur kommt). Aber vor allem bin ich sehr angetan von ihrer guten Recherche und ihrem umfassenden Wissen, die ihr einen sehr guten Überblick über viele Fragen und Antworten verschaffen. Der Blick in ihre Quellenangaben ist daher eine wahre Fundgrube.

Und wer nach der Lektüre der Bücher von Margarete Stokowski, oder auch nur nach diesem Beitrag mit einem genervten Augenrollen und dem Aufstöhnen „Die Frauen (wahlweise auch Weiber) sollen endlich mal Ruhe geben, sie sind doch längst gleichberechtigt (wahlweise auch: sie haben inzwischen doch schon mehr Rechte als Männer)“, der/dem empfehle ich von Herzen, sich über die aktuelle Aktion „Maria 2.0“, deren Fragen, Standpunkte und Forderungen zu informieren. Sie ist der Grund, warum ich diese Zeilen zu Hause geschrieben habe.

fl

Bitte nicht!

Als ich vor über einem Jahr den Blogbeitrag „Horrido im Klassenzimmer“ schrieb, hatte ich doch ein bisschen stille Hoffnung, dass das von mir Beschriebene nie Wirklichkeit wird. Leider hat sich wieder mal erwiesen: Hoffnung auf gesunden Menschenverstand und USA unter Trump schließen sich gegenseitig aus, denn:

„Das Parlament des US-Bundesstaates Florida hat mit 65 zu 47 Stimmen ein Gesetz verabschiedet, das es Lehrern erlaubt, künftig Waffen im Klassenzimmer zu tragen.“ Tagesschau

Wieder einmal haben wirtschaftliche Interessen Vorrang vor Prävention u. a. durch Verbesserung des Schul- und Bildungswesens, ja letztendlich vor der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen. Mit Verlaub, es ist zum Kotzen.

Jetzt hoffe ich inständig, dass nicht auch die von mir damals angeführten Horrorszenarien, was passieren kann, wenn Schusswaffen zur schulischen Normalität werden, irgendwann mal Wirklichkeit werden.

Blogbeitrag zum Projekt Storytelling

Im Rahmen des Verwendungsnachweises für das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW geförderten Projektes „Digital Storytelling“ haben wir einen Blogbeitrag geschrieben, der jetzt im Blog der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken veröffentlicht wurde.

Hier der Link zum Blogbeitrag:

https://oebib.wordpress.com/2019/05/03/von-tablet-gedoens-zu-mach-deinen-film-digitale-werkstatt-und-voll-appgefahren-ein-kooperationsprojekt-aus-dem-muensterland/

Herr Oter unterm Sofa

Seit Kurzem habe ich einen Mitbewohner. Nein, Niemanden, der meinen Kühlschrank mit Bierflaschen voll räumt, ich muss auch keine Hundesteuer bezahlen und kein Katzenstreu kaufen. Gekocht wird nach wie vor nach meinen Vorlieben und Abneigungen, Lebensmittelunverträglichkeiten spielen keine Rolle. Mein neuer Mitbewohner – da ich seinen Vornamen Sau-Grob ebenso unschön wie unpassend finde, spreche ich ihn mit seinem Nachnamen an und nenne ihn respektvoll Herr Oter – begnügt sich damit, ab und zu damit, mal an der Steckdose zu nuckeln. Ansonsten macht er das, was er machen soll, er bewegt sich planlos hin und her durch meine Wohnung, gibt dabei ein beruhigendes, monotones Geräusch von sich (es gibt auch welche, die können anders, aber dazu später mehr) und saugt Staub und Krümel von Laminat und Teppich auf. Und findet reichlich.

Jetzt werden sich sicher einige fragen, wie eine alleinstehende Frau mit Tagesfreizeit (Kopfkino aus, liebe Lesende) auf die Idee kommt, sich einen Saugroboter anzuschaffen. Vorsichtig ausgedrückt: Ich kann mich fürs Putzen einfach nicht begeistern. Drastisch ausgedrückt: ich hasse Putzen und schiebe es gerne vor mir her, bis der anfallende Aufwand meine Abneigung nur noch weiter schürt. Das mag daran liegen, dass sämtliche Putz- (und auch Aufräum-)Gene der Familie meine Mutter für sich beansprucht hat, die mindestens zweimal wöchentlich Staub putzte, der bei der Frequenz ohnehin kaum vorhanden war, und die sehr darauf bedacht war, regelmäßig die Teppichfransen mit einem dafür extra vorgesehenen Blechkamm zu sortieren. Und all diese Gene hat sie dann auch leider mit ins Grab genommen. Für mich ist da kaum etwas übrig geblieben, für meine bedauernswerten Kinder noch viel weniger. Ob das eine Rolle gespielt hat, dass eines dieser Kinder für mindestens drei Jahre und einen Tag freiwillig auf einen festen Wohnsitz verzichtet, muss ich ihn mal fragen. Ich jedenfalls habe mich für Herrn Oter als Mitbewohner entschieden.

Herr Oter ist ein eher simples Modell seiner Art, was auch günstige Auswirkungen auf seine Anschaffungskosten hatte. Er ist aber außer mit dem Saugmechanismus und niedlichen, rotierenden Pinselchen für die Feinarbeit in den Ecken nicht noch mit besonderen Raffinessen ausgestattet. Das hat den Vorteil, dass er, anders als manche seiner Kollegen schweigt und nicht per Computer-Stimme verkündet, wenn er sich irgendwo festgefahren hat. Gerade bei Berufstätigen, die den Roboter saugen lassen, während sie außer Haus ihrem Broterwerb nachgehen, finde ich das irgendwie ziemlich überflüssig. Aber ich gehöre ja auch zu denen, die erwarten, dass der(!) kleine Helfer seine Arbeit macht und nicht rumschwätzt und mir erzählt „Reinigung beendet“. Fehlt dann bloß noch, dass er fragt, „Na Schatz, wie war ich?“ Schön dagegen finde ich, wenn Herr Oter mich überrascht, zum Beispiel, wenn er aus der hintersten Ecke unterm Sofa wieder ans Tageslicht schnurrt und dabei ganz vorsichtig ein halbes Wollknäuel vor sich herschiebt.

Zugegeben, ein bisschen dumm ist Herr Oter schon. Wenn ich ihm per Fernbedienung ein „Husch, husch ins Körbchen“ zufunke, macht er auf dem Weg zur Ladestation zig Umwege und stößt dabei auch schon mal gegen Stuhl-oder Tischbeine. Dann bleibt er einen Moment verdutzt stehen, setzt ein bisschen zurück und dreht sich um circa 358 Grad, um dann wieder gegen das selbe Hindernis zu dotzen. Nach vier bis fünf Mal hat er es dann aber meistens begriffen und setzt seinen Zickzack-Kurs Richtung Stromversorgung fort.

Ob das ein geschlechtsspezifisches Problem ist, kann ich nicht beurteilen, denn die(!) Spülmaschine zickt auch manchmal ganz schön rum, wenn sie sich der Reinigung von Teebelägen in meinem Lieblingsbecher verweigert. Mit anderen Worten: Kann sein, muss aber nicht.

Jedenfalls ist Herr Oter durchaus cleverer als manche Männer, die die Google-Bildersuche mir zum Stichwort „Mann mit Staubsauger“ anzeigt, und die das mit dem Männerspielzeug irgendwie nicht verstanden haben.

fl

Ein schön genähter Roman

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Schade, dass ich zwar gerne, aber nicht besonders gut und eher selten nähe. Ich finde nämlich die Idee für Vielnäherinnen einfach schön, ein eigenes Nähbuch anzufertigen, bestehend aus einem einfachen Notizbuch, bei dem nach erfolgreichem Abschluss einer Näharbeit zwei Seiten mit dem Faden, der ohnehin noch auf der Maschine steckt, zusammen mit einem kleinen Stück des verarbeiteten Stoffs zusammengenäht werden. Ein paar Notizen, wann, was für wen aus welchem Anlass gefertigt wurde, und es entsteht ein Erinnerungsbuch mit deutlich mehr Charme als das Fotoalbum, in dem die x-te Mallorca-Reise vom Warten auf den Abflug bis zur Rückkehr mit Wäschebergen festgehalten ist.

Aber noch schöner als die Idee des Nähbuches finde ich es, wenn jemand die Idee, über alte Nähbücher einen Roman zu verfassen, so gelungen umsetzt wie Natalie Fergie in „Die Nähmaschine“. Erschienen übrigens in dem von mir erst kürzlich entdeckten Wunderraum-Verlag, dessen Library Cookbook mich bekanntlich bereits in Verzückung versetzte.

Zugegeben, ein bisschen Nostalgie kommt auch ins Spiel, denn zu meiner frühen Kindheit gehört das Spiel mit dem Trittbrett der mechanischen Nähmaschine, auf der meine Mutter sehr viel und sehr gekonnt genäht hat. Nachdem ich mir einmal ihren heiligen Zorn zugezogen hatte, weil das Garn noch in der Nadel war und ich für entsprechende Verknotungen gesorgt hatte, nie mehr ohne vorherige Nachfrage.

Aber zurück zu Natalie Fergies Debutroman, der anfangs nur in ihrem Internet-Blog zu lesen war, und der einen Bogen vom Arbeitskampf in den Singer-Werken im schottischen Clydebank 1911 (zu einer Zeit, in der Singer weltweit der unangefochtene Marktführer in Herstellung und Verkauf von Nähmaschinen war) bis ins Jahr 2016 schlägt, wo die alten Nähmaschinen bestenfalls noch als Ersatzteillager dienen, oder – auch eine schöne Idee der Autorin –  Material zur Herstellung von Schmuck und Kunstobjekten.

Erzählt werden die Geschichten von Menschen und ihren Arbeits- und Lebensbedingungen. Von der Näherin mit für heutige Verhältnisse üblen Arbeitsbedingungen, der Krankenschwester in den 1980ern, die als ledige Schwangere um ihren Arbeitsplatz bangen muss oder als junger, beruflich wenig erfolgreicher Mann in unserem Jahrzehnt, der eher ein bisschen widerwillig seine Liebe zum Nähen entdeckt, und vielen mehr. Einige davon schon fast ein eigenes Buch wert. Auf verschlungenen, aber niemals verworrenen Wegen kommen deren Nachfahren schließlich zusammen und einem wohlgehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Nicht unbedingt vorhersehbar, vor allem aber ganz ohne Kitsch und Schwulst, sondern in einer wunderbaren Erzählweise, die die Leser/innen mitnimmt, und die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen.

Mehr will ich gar nicht verraten, sondern Euch das Buch uneingeschränkt zum Selberlesen empfehlen, egal ob Ihr gerne näht, oder nicht.

Wie intensiv sich Natalie Fergie sich mit der Geschichte der Singer-Nähmaschinen beschäftigt hat, zeigt der Einblick in ihre Sammlung auf http://www.nataliefergie.com

fl

Erbe der WELTkultur

Es waren schon schlimme Bilder, die in dieser Woche aus Paris über die weltweiten Bildschirme flackerten und die Berichterstattung in den Medien bestimmten. Ja, es macht betroffen, wenn ein Stück Jahrhunderte alter Geschichte zerstört wird. Aber warum macht es betroffener, als wenn ein Vielzahl historischer Bauwerke und Zeitzeugen einer Jahrtausende alten Geschichte in Trümmern liegen? Wo waren denn die tagelangen Schlagzeilen, die Forderungen nach Sondersendungen und unzählige von tränenreichen Betroffenheitsbekunden im Internet, als beispielsweise die Altstadt von Aleppo zerbombt war? Ist die Tragödie größer, wenn der Anlass wahrscheinlich ein Unfall bei Renovierungsarbeiten war, als wenn sie eine bewusste und gezielte Entscheidung zur Zerstörung war? Sowohl Notre Dame als auch die Altstadt von Aleppo (ebenso wie zahlreiche andere zerstörte Denkmäler in Syrien, in Afghanistan, in Afrika) sind von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Sind diese, nur weil sie in Europa stehen, wertvoller, als wenn die aus dem arabischen Raum stammen?

Mich befremden einige Reaktionen auf den Brand in Paris, auch aus der Politik. Was bitte hätten denn die gescholtenen öffentlich-rechtlichen Sender am Abend des Brandes über das hinaus, was sie gezeigt und geschrieben haben, berichten sollen? Was hätte denn der Inhalt der von einigen geforderten Sondersendungen sein können? Standbilder von der Feuerwehrleiter, von der aus unablässig Löschwasser in die Rauchwolken floss? Welche Informationen wurden denn den Zuschauer/innen vorenthalten, wenn es keine gab? Wünschte sich ernsthaft jemand Programmunterbrechungen für eine gebetsmühlenartigen Wiederholung der Tatsache, dass den Einsatzkräften die Rettung des Gebäudes, oder möglichst vieler seiner Teile wichtiger war, als die Sensationslust der Menschen auf dem heimischen Sofa? Anders gefragt: Warum kann man sich nicht einfach mal mit vorhandenen Informationen zufrieden geben, wenn es vor Ort weitaus Wichtigeres gibt, als Pressemitteilungen rauszugeben?

Was passiert, wenn bei Veröffentlichungen Gerüchte und Spekulationen einen höheren Stellenwert haben als Fakten, haben diverse rechte Medien und Organisationen gezeigt, die mal wieder islamfeindliche Verschwörungstheorien in die Welt setzten die Welt setzten. Da lobe ich mir das Verantwortungsbewusstsein seriöser Journalist/innen.

Und ja, zu der hohen Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau eines europäischen Bauwerks könnte ich eine Menge schreiben und mich damit den üblichen Whataboutismus-Vorwürfen bestimmter Kreise aussetzen. Ich lasse es und zitiere lediglich den Kabarettisten Phillip Simon:

„Eine Kirche brennt. Niemand kommt glücklicherweise ums Leben.
Europa steht zusammen. Präsidenten und deren Sprecher schicken trostspendende Nachrichten. Finanzielle Soforthilfen sind über Nacht organisiert.

Auf dem Mittelmeer kentern Boote. Tausende von Menschen sterben. Europa ist seit Jahren zerstritten. Präsidenten und deren Sprecher reden nicht darüber. Ehrenamtliche Seenotretter werden kriminalisiert.
Das Wertesystem bleibt mir ein Rätsel.“

fl

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