Ob wohlriechend oder ein bisschen muffig, klassisch gerundet oder kantig, liegend oder hängend, farblos oder eher braun-beige, überraschend oder nur Schaumschlägerei, mit saurem oder kaltem Finish, so richtig zufrieden bin ich bisher mit keinem Exemplar. Ich werde sie also fortsetzen müssen, meine ganz persönliche Suche nach einem festen Shampoo oder nach Haarseife, die sich für mich schwieriger gestaltet, als für manch andere Leute die Suche nach der/dem (vermeintlich) passenden Partner/in.

An anderer Stelle schrieb ich ja schon mal, dass ich ganz sicher nicht zur bevorzugten Zielgruppe der nationalen und internationalen Kosmetik-Industrie gehöre. Das liegt nicht nur daran, dass der Besuch im Baumarkt Erfolg versprechender sein dürfte, falls ich mal meine Falten unsichtbar werden lassen wollte. Nein, auch an meinem Realitätssinn für die Versprechen der Wirksamkeit von Cremes, die mich schlagartig um Jahre verjüngen lassen, während die Fotoshop-Arbeiten an den Werbegesichtern auf den ersten Blick zu erkennen sind. Außerdem sind durch bestimmte Präparate verursachte Pickel nicht zwangsläufig ein Beweis für jugendliches Aussehen. Also sind für meine ganz normale Gesichtscreme unbedenkliche Inhaltsstoffe, bevorzugt in Bio-Qualität, ein gutes Hautgefühl und ein Preis, der im Verhältnis zum Inhalt nicht in Karat bemessen wird, kaufentscheidend.

Ähnlich sieht es bei der Haarpflege aus, wobei es in diesem Bereich geradezu eine Frechheit ist, was da in der Vergangenheit schon mal beigemixt wurde, um einen großen Anteil Wasser mit einem kleinen Anteil an Pflege-und Wirkstoffen zum Schäumen zu bringen im Kampf gegen fettiges Haar, trockenes Haar, schuppige Kopfhaut, juckende Kopfhaut und was mensch sonst so alles nicht braucht. Ja, in meinen jungen Jahren, als eine bestimmte Marke noch „Schönheit direkt ins Haus“ brachte, prangte auf deren Shampooflaschen tatsächlich zu Werbezwecken gut sichtbar der Hinweis „Jetzt mit Formaldehyd“ (wer weiß, wann dieser Stoff als krebserregend eingestuft wurde, hat eine ungefähre Vorstellung, wie lange es her ist, dass meine Aussehen tatsächlich mal das Attribut „jugendliche Frische“ verdient hat).

Mindestens so fragwürdig finde ich es ja, wenn Shampoo-Hersteller jetzt damit werben, dass ihre Produkte „frei von Silikonen“ sind, zeigen sie doch deutlich, dass der Kunststoff mit dem sie viele Jahre lang eine Menge Geld verdient haben, völlig überflüssig ist, zumal er weder Kopfhaut, Haar und vor allem auf Dauer der Umwelt Gutes tut.

Genauso ist es mit dem plötzlich immer größer werdenden Angebot von Haarseifen und festen Shampoos. Sie signalisieren doch nichts anderes, als dass die Industrie jahrelang mit Produkten überwiegend aus Wasser in umweltschädlichen Plastikflaschen richtig Kohle gemacht hat, während die Haarpflege auch ohne auskommen kann. Finde ich richtig, richtig gut, dass ich Plastikmüll vermeiden und auf überflüssige Inhaltsstoffe verzichten kann, aber ich habe leider ein Problem damit.

Während ich im Laufe des Lebens irgendwann mal ein oder zwei Shampoo-Sorten als gut für mich befunden habe und beim Nachkauf der treffsichere Griff ins Regal mich wissen ließ, welche Reinigungs- und Pflege-Wirkung ich erwarten durfte, fange ich bei der trockenen Variante im Pappkarton oder mit Papierbanderole ganz von Vorne an.

Meine ersten Versuche startete ich vor einigen Jahren, als die Kosmetikindustrie immer noch auf Wasser in Plastik setzte, mit Aleppo-Haarseife. Wie später bei vielen Nachfolgeprodukten war ich, nachdem meine Haare sich dran gewöhnt hatten, eine Zeitlang ausgesprochen zufrieden, bis mal meine Haare mit strohiger  Trockenheit oder beleidigten Strähnen reagierte.

Den Geruch zum Hauptkriterium für die Kaufentscheidung zu machen, weil mir der Deoduft der Firma so gut gefällt, erwies sich als phänomenale Pleite. Obwohl ich befürchten musste, Ärger mit den Nachbar/innen zu kriegen, weil ich gefühlt den gesamten Warmwasservorrat mehrere Haushalte fürs Ausspülen ver(sch)wendet hatte, sahen meine Haare zwei Stunden später aus, als hätte ich mir eine  Honig-Senf-Salat-Sauce mit einer zusätzlichen Portion Olivenöl extra vergine übers Haupt geschüttet. Der Effekt war erst drei Haarwäschen später vollständig verschwunden.

Aktuell wechsle ich zwischen festem Bio-Haarshampoo der Hausmarke vom örtlichen Drogerie-Markt, einem festen Sonderangebot einer bekannten Shampoomarke und zwischendurch mal Flüssig-Shampoo aus der Plastik-Pulle. Mein Sortiment an quadratischen, ovalen und runden Fehlkäufen ist inzwischen beträchtlich, eignet sich aber für Abwechslung beim Einseifen unter der Dusche. Eine überdurchschnittlich große Hautoberfläche ist da ausnahmsweise mal vorteilhaft, um die ungewollten Vorräte zeitnah abbauen zu können. Auch deshalb greife ich weiterhin immer wieder zu neuen, mir noch unbekannten festen Produkten in der Hoffnung, irgendwann mal den Volltreffer schlechthin zu landen. Ich weiß auch schon, wie ich das gute Shampoo-/Seifen-Stück dann nennen werde: Mr. Right.

fl