Info-Veranstaltung des Internationalen Frauencafés zum Auftakt der Spendenaktion

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich warm und trocken auf einem gut gepolsterten Stuhl, habe eine Tasse heißen Tee neben mir stehen und knabbere ab und zu mal an einem Keks. Und bei dem Thema, über das ich schreiben will, fühle ich mich gerade sehr privilegiert und zufrieden. Denn ich bin in einem Land geboren und aufgewachsen, in dem ich weder Krieg noch Verfolgung, weder Hunger noch Gewalt erleben musste. Darauf bin ich nicht stolz, denn ich kann nichts dafür, aber dafür bin ich dankbar.

Das mag einer der Gründe sein, warum mich das Schicksal vieler Geflüchteter, die ich inzwischen nicht nur zu meinem Bekanntenkreis, sondern einige auch zu meinem Freundeskreis zählen darf, so berührt. Sie haben nicht nur traumatische Erlebnisse hinter sich, sondern mussten nahezu alles, was ihnen lieb und wert war, in ihren Heimatländern zurücklassen. Gesellschaftlich, beruflich und finanziell stehen sie (oft zum zweiten oder dritten Mal) vor einem kompletten Neuanfang, der durch Sprachbarrieren und Bürokratie nicht gerade erleichtert wird. Sie zahlen also einen sehr, sehr hohen Preis für das, was für mich von Geburt an selbstverständlich ist: Frieden, Freiheit und Sicherheit.

Und als wären sie damit nicht beschäftigt genug, haben sie auch die Sorgen um ihre Landsleute, egal ob verwandt oder befreundet in der Heimat oder in irgendeinem anderen fremden Land. Beim Internationalen Frauencafé, das kurz nach diesem Blogbeitrag vor einem Jahr Realität wurde sprechen wir oft darüber. Und im Januar erzählte meine Freundin Hind, dass sie im arabischen Fernsehen einen Bericht über die schlimmen Zustände in den Flüchtlingscamps im Libanon gesehen hatte, wo der Wintereinbruch für die vielen Familien in ungeheizten Zelten für lebensbedrohliche Umstände sorgte. Säuglinge und Kleinkinder sind erfroren, beim Versuch das Zelt mit offenem Feuer zu beheizen, kam eine Mutter mit ihren vier Kindern ums Leben, viele Menschen sind schwer krank, denn es fehlt nicht nur an Heizmaterial, sondern auch an Decken, warmer Kleidung und Schuhen. Alle anwesenden Frauen, unter ihnen viele Mütter, waren sich spontan einig: Wir wollen etwas tun. Aber was, tausende Kilometer weit entfernt und selber finanziell nicht gerade so ausgestattet, dass eine nennenswerte Unterstützung möglich ist? Wir sammeln Spenden und hoffen auf die Solidarität und Anteilnahme der Menschen in unserer westfälischen Kleinstadt. Gesagt, getan und überrascht – sehr positiv überrascht.

Schon bei der Suche nach Unterstützung rannten wir offene Scheunentore bei den hiesigen Kirchengemeinden beider Konfessionen ein, bei der Bücherei sowieso, deren Drucker wir für Handzettel, Plakate und Flyer ganz schön heiß laufen ließen. Dass die hiesige Sparkasse uns für unsere Aktion ein kostenloses Spendenkonto zur Verfügung stellte, machte die ganze Aktion deutlich einfacher.

Wohin unsere Spenden gehen sollten war von Anfang an klar, auch wenn die Organisation in Europa (noch) nicht sehr bekannt war. Ich befasste mich mit dem Molham-Team und mit jeder Zeile, die ich las, schätzte ich es mehr. Hatte ich gerade vor einer Woche noch geschrieben, wieviel Respekt ich vor dem Engagement junger Leute habe, dann muss ich die über 200 Freiwilligen weltweit, die sich intensiv und erfolgreich um das Schicksal ihrer Landsleute kümmern, ganz oben mit auf die Liste setzen. Wer sich die Zeit nimmt und sich diesen Film mal ansieht, wird ganz schnell verstehen warum.

20 Liter Heizöl in jedes der über 7 000 Zelte in den Flüchtlingscamps im libanesischen Arsal zu bringen, ist das Ziel eines Projektes, das wir zusammen mit einigen Stammgästen aus dem früheren Internationalen Café mit den gesammelten Spenden aus dem weit entfernten Münsterland unterstützen wollen. Und dafür standen einige von uns mit der Sammelbüchse auf dem Wochenmarkt, wurde für die Besucher/innen einer Informationsveranstaltung gebacken, wurde „Werbung“ in den Kirchen gemacht. Trotz Aufregung und Herzklopfen haben Hind und Mohammed die Besucher/innen von zwei Gottesdiensten über unsere Spendenaktion informiert, natürlich auf Deutsch. Sie sind, wie alle anderen auch, die sich beteiligt haben, wohl sehr überzeugend gewesen.

Als wir innerhalb von nur einer Woche die für uns traumhafte Summe von über 500 Euro erreicht hatten, war die Freude groß. Als wir eine Woche später die 1500-Euro-Marke überschritten hatten, dauerte es etwa, bis das ungläubige Staunen von Begeisterung abgelöst wurde. Begeisterung nicht nur über diesen Erfolg, mit dem dringende Hilfe für die, die sie unbedingt brauchen, ermöglicht wird. Begeisterung auch darüber, was wir als Team und Freund/innen gemeinsam erreicht haben. Und vor allem auch Begeisterung darüber, wie sich die Einheimischen für das Schicksal der Landsleute ihrer neuen Nachbar/innen interessierten und einsetzten. Alle zusammen haben wir über Nationalitäten und Religionen hinweg gemeinsam etwas erreicht und konnten zeigen, wie gut Integration in unserer Stadt funktioniert. Wenn das kein Grund ist, dankbar zu sein.

Liebe Leser/innen und Leser, wenn ich Euch mit diesen Zeilen davon überzeugen konnte, wie wichtig diese Spendenaktion ist, dann informiert doch bitte alle Eure Verwandten, Freund/innen, Bekannten und Kolleg/innen darüber. Ihr dürft ihnen auch gerne unsere Kontonummer geben.

fl