Tomatensauce

Dass ich gerne esse, ist kein Geheimnis, das sieht man mir sogar an. Deutlich! Und weil ich gerne esse, koche ich auch gerne, meistens jedenfalls. Die Jahre, in denen mindestens eines der drei Lieblingskinder irgendetwas zu meckern hatte, wenn das Essen auf dem Tisch stand, sind vorbei. Regelmäßig zu hören „Iii, da sind ja Zwiebeln drin“ (Ja, die sind aber so verkocht, dass du ruhig draufbeißen kannst) und „Das mag ich nicht, das habe ich noch nie gemocht“ (Letzte Woche hat es dir noch gut geschmeckt, und die Wochen davor auch), fördert nicht gerade die freudige Bereitschaft, stundenlang in der Küche zu stehen, zu schnippeln und zu brutzeln, um die Brut groß zu kriegen und dabei gleichzeitig gesund zu halten. Inzwischen ist das Trio für seine Ernährung selbst verantwortlich, und Mutter kocht (fast) nur noch das, was sie besonders gerne mag. Das macht Spaß, ist aber nicht sonderlich figurfreundlich.

Und ja, ich kann kochen, mit und ohne Rezept. Was ich nicht kann und vor allem nicht will: Mich jemals mit den ganzen Tütchen und Pülverchen anfreunden, die als Fix-Produkte beworben und verkauft werden. Mal ein willkürlich herausgesuchtes Beispiel, von dem mir die Werbung weismachen will, dass damit ein Tomate-Mozarella-Auflauf nicht nur „phantastisch aussieht“ , sondern auch noch ein „tolles Geschmackserlebnis bietet“. Benötigt werden für dessen Herstellung: 250 g Tortelloni, 300 g Tomaten, 1 Kugel Mozzarella, 50 ml Schlagsahne (warum heißt das dann eigentlich nicht Tortellini-Auflauf mit Tomate und Mozarella?) und natürlich besagtes Tütchen. Darin sind nach Herstellerangaben enthalten: 22 % Tomaten, Stärke, Reismehl, Gewürze (Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer), Sonnenblumenöl, Jodsalz, Zucker, Glukosesirup, Basilikum, Thymian, Oregano, Milcheiweiß, Aromen, Hefeextrakt, Emulgator Lecithine, Säuerungsmittel Citronensäure.

Mal ganz ehrlich, eine einfache Tomatensoße mit ein paar Zwiebeln, Knoblauch, etwas Suppengrün, Kräutern und Dosentomaten zu kochen, ist kein Hexenwerk und nur unwesentlich zeitaufwändiger, als den Tüteninhalt mit Wasser und Sahne aufzukochen. Und was zur Hölle haben Zucker und Glukosesirup, Stärke und Reismehl, Milcheiweiß und Lecithine in einer Tomatensauce zu suchen? Warum braucht man Zitronensäure als Säuerungsmittel, wenn Mutter Natur der Tomate schon eine natürliche Säure gegeben hat? Aber vor allem: Warum soll ich Aromen essen, wenn mein Gewürzschrank ordentlich bestückt ist?

Und natürlich immer wieder der Hefeextrakt. Anders als Glutamat ist er nach unseren Bestimmungen kein chemisch hergestellter Geschmacksverstärker und braucht deshalb keine der bösen E-Nummern. Aber er enthält dennoch einen beträchtlichen Anteil an Glutaminsäuren, die dafür sorgen, dass auch die Tomate in Pulverform noch ein bisschen nach Tomate schmeckt.Für mich ist Hefeextrakt nichts anderes, als der Geschmacksverstärker für das gute Gewissen und dürfte  völlig überflüssig sein, wenn geschmackvoll gekocht wird.

Übrigens: die Tomaten und der Mozarella für den Auflauf müssen nach wie vor in Scheiben geschnitten werden, egal, ob das Tütchen verspricht, dass alles ganz fix geht.

Was vor allem bei all dem Fix-Tüten-Gedöns gnadenlos auf der Strecke bleibt: Der Spaß am Kochen! Es ist doch toll, mal ungewöhnliche Kombinationen von Lebensmitteln auszuprobieren, beim Griff in den Gewürzschrank mal mutig zu sein und zu entdecken, dass beispielsweise Möhren und Curry sich hervorragend vertragen, dass eine Prise (!) Zimt den Frikadellen einen besonderen Pfiff geben.

Und ja, es ist toll, neue Rezepte auszuprobieren und nach eigenen Vorlieben abzuwandeln. Aber nicht jedes Rezept, denn da gibt es auch eine Menge an Kuriositäten, die es nicht wert sind, Lebensmittel dafür zu verschwenden. Das aber lässt sich meistens schon an der Zutatenliste und der vorgeschlagenen Zubereitung erkennen. AlKochbuch überlerdings nur dann, wenn man kochen kann. Und das lernt man mit Hilfe von Kochbüchern und durch Erfahrung, aber ganz bestimmt nicht mit Fix-Produkten.

Nur so am Rande: Für diejenigen, die auch für die Fix-Tüten noch besondere Anleitungen brauchen, gibt es tatsächlich dicke Kochbücher zu diesem Thema. Allerdings nicht (mehr) im Bücherei-Bestand, sondern (noch) im Flohmarkt, der bis einschließlich Samstag geöffnet hat. Dass im Regal jetzt zwei Kochbücher weniger stehen, fällt bei über 600 Exemplaren überhaupt nicht auf. Mit anderen Worten: Wir haben für jeden Geschmack etwas dabei, ganz ohne Tütchen.

 

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