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Togo ist ein bitterarmes Land in Afrika, in dem knapp sieben Millionen Menschen überwiegend von Landwirtschaft und der Herstellung von Zement leben. Und seit ein paar Jahren werden in Togo Lebensmittel produziert, die in Plastikbechern oder Plastikboxen in Supermärkten oder Fast-Food- und Fast-Drink-Ketten angeboten werden. Oder wie? Etwa Etikettenschwindel? Kaffee Togo kommt gar nicht aus Afrika?

Nein, kein abgedroschener Witz, sondern Ohrenzeugenbericht einer Bestellung in der Filiale einer expandierenden Kaffeehauskette: „Zwei Kaffee Togo zum Mitnehmen“. Nur am Rande: Die durchschnittliche togolesische Familie könnte sich dort pro Woche zwei Heißgetränke leisten. Hätte dann allerdings für den Rest der Woche kein Geld mehr.

Also gut, kein Etikettenschwindel, sondern Mode-Erscheinung und Marketing. Und, mit Verlaub, ein riesengroßer Umweltdreck. Wir wissen alle, von der Bedrohung der Meere durch nicht verrottbare Kunststoffe, von der Riesenmenge Energie, die für die Produktion von Plastik ebenso gebraucht wird wie fürs Recycling. Und mal ehrlich, die Jacken und Pullover, die aus gebrauchten PET-Flaschen hergestellt werden, lassen Einem doch kopf-gegen-grunen-punktdie Haare zu Berge stehen. Manchmal wegen des Anblicks, meist aber wegen statischer Entladungen. Aber immerhin kann man sie als „vegan“ bewerben.

Abgesehen davon: Es kann mir doch keiner erzählen, dass ein zehn Stunden altes Sandwich in der Plastikbox aus dem Tankstellen-Kühlschrank besser schmeckt als vier Lagen Küchenpapier mit Salzwasser getränkt. Der Nährwert dürfte auch ähnlich sein.

Einspänner mit Strohhalm

Und was bitte ist so toll daran, ständig einen Becher Kaffee mit zu schleppen, dessen Inhalt vor dem Überschwappen durch einen Deckel geschützt ist, mit einer Mini-Öffnung für den Trinkgenuss. Ein Genuss, so spektakulär, als wenn ich im Hotel Sacher in Wien einen Pharisäer mit Strohhalm bestellen würde. Warum bitte soll ich mir morgens nicht das Vergnügen gönnen, den Duft von frischem Kaffee durch die eigene Wohnung ziehen zu lassen und mir einfach mal zehn Minuten Zeit fürs Frühstück zu gönnen. Warum soll ich, wenn ich tagsüber von A nach B unterwegs bin, eigentlich einen Kaffee spazieren tragen?

Oder Mineralwasser, auch so ein Fall. Bekanntlich empfehlen Experten die Aufnahme von zwei Liter Flüssigkeit am Tag, überwiegend (Mineral)Wasser. Ziehen wir mal Suppe, Milch im Müsli und den Kaffee ab, der nicht aus Versehen aus dem Plastikbecher geschwappt ist, bleiben das großzügig gerechnet acht große Gläser. Also alle eineinhalb Stunden eins, wenn ich mir nachts dafür keinen Wecker stellen will. Warum dann also im Zehn-Minuten-Takt an einem niedlichen Plastikfläschchen (gibt’s ernsthaft auch in Rosa *gnmpf*) nuckeln?

Wenn ich meine vier Wände oder meinen Arbeitsplatz mal für ein Stündchen verlasse, werde ich keine Mangelerscheinungen (also zusätzlich zu den bekannten Mängeln), erleiden und nicht in Gefahr des Verdurstens geraten, wenn ich tatsächlich mal 60 Minuten lang, oder mit ganz viel Mut sogar länger, keine Flüssigkeit zu mir nehme.

Wenn, ja wenn, nicht gerade Mitte September ist, und das Thermometer auf über 30 Grad steigt. Dann nehme ich auch schon mal einen Wasservorrat mit. In der 1 000 und mehrfach mal zu gebrauchenden Flasche des Wassersprudlers.

Solche Wetterphänomene übrigens sollen ja mit dem Klimawandel zu tun haben, der wiederum mit Umweltverschmutzung zu tun hat, und dieser wiederum mit dem massenhaften und unnötigen Gebrauch von Plastikbechern und –Flaschen. Munkelt man. Ich auch.

fl